Immerhin

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Immerhin (c) Martin Gries„Das ist jetzt schon über drei Monate her!“, erinnerte sie ihre Freundin an etwas, an das sie lieber nicht erinnert worden wäre.
„Du fliegst da jetzt hin!“
Sie wusste, sie meinte es nur nett. Drei Monate müssen für ihre Freundin nervig lange gewesen sein. Aber für sie waren sie es nicht.
„Das wird Dich auf andere Gedanken bringen.“
Dabei hatte sie Recht. Es würde gut tun, nicht mehr die ganze Zeit an das zu denken, was nicht passiert ist. Nicht mehr passieren wird.
„So ein bisschen Zeit nur für Dich.“
Ja. In den letzten Wochen ist es ihr immer öfter gelungen von ‚Ich’ zu denken. Nicht mehr immer nur von ‚Wir’ und dann den Gedanken zu zerreißen und festzustellen, dass da kein ‚Wir’ mehr ist.
„Ich-Zeit sagt man da heute zu. Das brauchst Du.“
Ich-Zeit. Klingt ungewohnt. Aber nicht schlecht.
„Und wer weiß …“
Wer weiß was? Manchmal verstand sie noch nicht wieder, was ihre Freundin mit diesen drei Punkten in der Stimme meinte. Früher klappte die wortlose Verständigung besser.
„Du weißt schon?“
Wusste sie nicht und schüttelte den Kopf.
„Vielleicht lernst Du ja da auch jemanden kennen …“
Daran hatte sie noch gar nicht gedacht. Jemand anderes. Komischer Gedanke.
„Verliebst Dich …“
Vom brüchigen ‚Ich’ zum neuen ‚Wir’ in nur einem Kurzurlaub? Ging das nicht etwas schnell?
„Unsterblich …“
Schöne Idee. Wirklich. Sie musste schmunzeln.
„Höchstens sterblich.“, sagte sie ihr.
„Das wäre doch mal ein Anfang.“

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