Überstehen

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Überstehen (c) Martin GriesSie leckte ihre Wunden. Sie war geschoren davon gekommen. Schon morgens hatte sie den komischen Herrn aus dem 2. im Treppenhaus getroffen und sich angehört, wie unmöglich die jungen Leute von heute rumlaufen. Ob sie noch nie bei einem Friseur war. So fingen nicht die guten Tage an.
Der Skater in der Auffahrt fuhr ihr in die Hacken, die Bustür klemmte ihren Ellenbogen ein, die Kollegin beschloss krank zu sein und ihr den idiotischen Kunden zu überlassen. Von ihm durfte sie sich geschlagene 21 Minuten anhören, wie unfähig sie war. Sie stolperte im Treppenhaus und schlug sich die Handballen auf. In der Kantine kippte ihr jemand ein Tablett in den Nacken. Seit dem roch sie nach Bier. Auf dem Rückweg humpelte sie nach Hause. Sie hatte keine Lust auf den Bus. Um sich auszulüften ging sie den Umweg durch den Park. Es fing an zu regnen, sie rutschte aus und fiel in den Matsch. Sie hoffte, es war nur Matsch.
Als sie endlich zu Hause war, sah sie den AB blinken. Ihre Mutter fragte, ob sie es wohl mal schaffen könnte, nach Hause zu kommen. Sie WAR zu Hause. Aber das konnte sie bei dem folgenden Telefonat nicht deutlich machen.
Sie legte auf und leckte ihre Wunden.

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