Praktisch

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Sie war glücklich. Erstaunlicherweise. Wenn man bedenkt, wie mies sie sich in den letzten Monaten gefühlt hatte. Sie hatte nie gedacht, dass sie sich so schnell wieder verlieben könnte. Wie qualvoll war die Trennung von ihm. Es hatte Wochen gedauert, bis nichts mehr nach ihm roch, bis alle Dateien aller Liebesschwüre an ihn auf ihrem Notebook im Papierkorb lagen, bis alles, was er in der Hand hatte, weggeschmissen war und nicht jedes Gänseblümchen an ihn erinnerte.
Und jetzt war er passé. Abgehakt und vergessen und unwichtig.
Es gab einen neuen ihn. Neue Schmetterlinge und neue Hoffnung.
Und er schrieb so bezaubernde Liebesbriefe. So bezaubernd, dass sie sich fast schon Druck fühlte, auch zu schreiben. Es schrammt immer leicht an Kopfschmerzen sich Worte für Gefühle auszudenken. Und sie sollten schön klingen und nicht zu kitschig. Das war nicht anderes, als sie damals versuchte, ihm zu schreiben, was sie fühlte. Dasselbe Gefühl – ein anderer Empfänger. Sie hatte sich lange damit gequält, aber zum Schluss war sie mit ihrem Text zufrieden. Sehr sogar. Ihm hatte es auch gefallen.
Eigentlich war sie nicht diejenige, die oft ihren digitalen Papierkorb leerte. Eigentlich nie. Dann waren die Daten noch nicht gelöscht. Dann waren die Worte noch wiederbringlich. Dann waren die Gefühle noch verwendbar.

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